Theodor Fontane
„Es ist stylvoll.“
Im September 1864 reiste der Schriftsteller Theodor Fontane (1819 - 1898) nach Lübeck. In seinen Reisenotizen schildert der große Romancier seine Eindrücke:
Die Stadt hat allerdings noch einen gotisch-mittelalterlichen Charakter; selbst unter den neuen oder noch neu erscheinenden Häusern haben viele noch den Zackengiebel nach vorn. Die Kirchen sind alle aus Backstein und ihre Thürme haben alle die Nadel (Zuckerhutsform); diese völlige Uebereinstimmung , dies alles aus einem Guß sein macht einen sehr guten Eindruck. Es ist stylvoll.
Die neuen Häuser, überhaupt dies und das, erinnert an Hamburg; mehr Aehnlichkeit aber, so scheint es mir, hat es mit Stettin. Hier wie dort steigen vom Fluß resp. Hafen an die Hügel aufwärts und auf diesem Hügelzug liegt die Stadt. Die Längsstraßen laufen wie der Hügelrücken von Süd nach Nord, die Querstraßen gehen von Ost nach West auf die Trave (d.h. auf den Flußhafen) zu. Der Eindruck - wiewohl alle Größe, alles Imposante, selbst aller Reichthum hin ist - ist doch sehr günstig und wohlthuend.
Man könnte Lübeck das spitzthürmige Lübeck nennen. Alle Kirchen haben den hohen spitzen Thurm, außerdem aber findet sich an Thoren, Portalen, Dächern vielfach (oft fast klein-minarettenartig) ein schlankes Spitzthürmchen angebracht.
Sehr hübsch sind die kleineren Thürme einzelner Kirchen, die sogenannten Dachreiter. Sie zeigen zum Theil, mehr als es die großen Thürme thun, den reichgegliederten gothischen Charakter.