Graf Adelbert von Baudissin (1820 bis 1871)
„Ein mit gymnastischen Bewegungen verbundenes Studium der Geschichte...“
Graf Adelbert von Baudissin tritt 1841 in den österreichischen Staatsdienst ein. Mit der Erhebung Schleswig-Holsteins meldet er sich als Freiwilliger zum 1. Jägerkorps. Nach Schleswig-Holsteins Niederlage geht er 1852 nach Nordamerika, wo er als Farmer und Redakteur lebt. 1862 kehrt er nach Deutschland zurück und läßt sich in Altona als Schriftsteller nieder.
Trotz Spießbürgern, Senatoren und Ratsherren ist Lübeck eine Stadt, in der ich mich sehr wohl niederlassen könnte. Es hat Alles einen antediluvianischen, gemüthlichen Anstrich, und ein Spaziergang durch die Straßen ist im Grunde genommen nichts Anderes, als ein mit gymnastischen Bewegungen verbundenes Studium der Geschichte, oder mit Regenschirm und Gummischuhen verknüpftes Blättern in einem alten Bilderbuche.
Von nicht zu beschreibender Schönheit ist das altehrwürdige Rathhaus, in welchem einst die Kronen Dänemarks und Schwedens feil geboten wurden. Es ist vollendet, unbegreiflich schön, ehrwürdig und interessant und übertrifft Alles, was ich je an Gebäuden gesehen habe. Man würde nicht Tage, sondern Wochen und Monate gebrauchen, um die Facaden, Erker, Fenster, Thüren, Treppen und Giebel zu studiren, und bei einem späteren Besuche doch immer wieder Neues und Interessantes zu entdecken.