Charles Ogier (1595 bis 1654)

„...das Haupt der Hanse...“

Der französische Diplomat, nimmt in den Jahren 1635/36 als Legationsrat eines französischen Parlamentsabgeordneten an den Waffenstillstandsverhandlungen zwischen Polen und Schweden in Stuhmsdorf teil. Seine Reisen, über die er ein Tagebuch in lateinischer Sprache führt, bringen ihn auch nach Lübeck. Sein Bruder gibt die Aufzeichnungen nach seinem Tode heraus.

Diese hochberühmte Stadt ist das Haupt der Hanse, und hat Festungs-werke und Gräben, ist aber nach meinem Urteil nicht so stark und befestigt als Danzig. Die Straßen sind groß und recht breit. Die Häuser machen alle den Eindruck von Herbergen, so sehr sind ihre Eingangs-hallen mit Schüsseln, Schalen, Speisebehältern, kurz allem zur Küche gehörigen Hausrat versehen und eingerichtet. Die Fenster sind hier (auf der Diele) weiträumig und über ihnen hat man zur Augenweide Blumen- und Blattgewinde aus Papier und Wachs aufgehängt. Auf den Straßen und Plätzen sind Weinstöcke und zuweilen auch andere Bäume gepflanzt, desgleichen auf den Höfen der Häuser; von der Decke der Diele hängen gepökelte Schweine und getrocknete Fische herab; selbst Wagen aller Art werden auf dieser Diele untergebracht.

Die Lübecker tragen dicke gehäkelte Halskrausen, wandeln bedächtig, und wenden nicht so leicht die Häupter, die sie in diesen Halsputz versenkt haben. Sie haben etwas in ihrem Gang und in ihrer Kleidung vom Stolze des Spaniers und dünken sich glücklich, weil ihre Stadt das Haupt der Hanse ist und unter den freien Städten als eine der bedeutendsten angesehen wird.