Bengt Ferrner

„...Zeichen von Macht und Reichtum früherer Zeiten...“

Ferrner, Professor der Astronomie an der Universität Uppsala und Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften, bereist mehrere Jahre den europäischen Kontinent. Die Reise beginnt 1758 und führt zunächst durch Schweden, Dänemark und Hamburg. Von Hamburg aus besucht er zehn Tage lang die Nachbarstadt Lübeck.

Wenn nun Lübeck auch erhebliches von seiner früheren Höhe eingebüßt hat, so ist es gleichwohl eine noch ansehnliche, wohlhabende und geschäftige Stadt, trägt auch immer noch Zeichen von Macht und Reichtum früherer Zeiten. Solche Zeichen sind vor allem das Rathaus und die Kirchen, deren zehn an der Zahl sind. Das Rathaus ist eine alte und venerable Structure; aber seiner Zeit entsprechend so ansehnlich in den Ausmaßen und so reich verziert, daß es schon allein die lübeckische Historie längst vergangener Jahrhunderte widerzuspiegeln scheint.

Die Kirchen sind alle mit Kupfer gedeckt. Zwei von ihnen haben doppelte Turmspitzen, nämlich St. Marien, die Hauptkirche, und der Dom, der recht groß ist, nämlich 250 Ellen lang; er ist aber nicht so schmuck und wohl erhalten, wie der Marienkirche, wo hinter dem Altar besonders das kunstvolle Uhrwerk zu vermerken ist. Es stellt den Gang der Planeten vor, zeigt alle Verdunkelungen bis zum Ende dieses Jahrhunderts und auf ihm aufgezeichnet ist ein calendarium perpetuum, wobei verschiedene Zeitrechnungen in Vergleich gesetzt sind. Jedesmal wenn die Uhr Zwölf schlägt, kommen zwölf Bilder gleichsam von selbst aus der Altartafel hervor, machen einen kleinen Umgang und verbeugen sich eins nach dem anderen vor dem Bild, welches den Hammer hält und die Glockenschläge schlägt.