Arnold Gerhard Deneken (1759 bis 1836)
„Dicke finstre Mauern...“
Deneken, Senator der Hansestadt Bremen, fährt mit einer Reisegesellschaft 1792 von Bremen über Lübeck nach Holstein.
Die Thürme von Lübeck erblickt man schon in ziemlicher Ferne. - Sie stehen nahe beisammen, und, je nachdem man sich ihnen aus verschiedenen Gesichtspuncten nähert, schiebt sich einer hinter den anderen, so, daß bald dieser, bald jener von seinen Nachbarn völlig gedeckt und hierdurch manche artige Täuschung verursacht wird.
Unter den öffentlichen Plätzen zeichnet sich vorzüglich der Kirchhof um den Dom durch die Größe seines Umfanges und durch die schattige Lindenallee aus. Der geräumige Markt wird von öffentlichen Gebäuden, vom Rathause, der Börse, der Accise, dem Niedergericht und der Waage, die alle in einer ungeheuren Steinmasse zusammenhangen, eingefaßt. Dicke finstre Mauern mit großen, runden Öffnungen und mit verschiedenen kleinen Thurmspitzen sind über das Dach dieser im 16. Jahrhundert im altgothischen Geschmacke aufgeführten Gebäude gezogen. Die Bildhauerarbeit ist, wie es in den damaligen Zeiten gewöhnlich geschah, in grotesken Verzierungen daran verschwendet. Mich stimmt der Anblick eines solchen gothischen Gebäudes, welches Jahrhunderte hindurch der Vergänglichkeit getrotzt hat, immer zu einem feierlichen Ernste.
Am 5ten July holten meine Freunde uns mit einem bequemen Stuhlwagen zu der verabredeten Spazierfahrt nach Travemünde ab. Wir schauten in die grenzenlose Weite des Meeres. Der heitere Himmel warf sein glänzend-schönes Bild über diese unabsehbare Spiegelfläche, die kein Sturm beunruhigte, sondern die nur in plätschernden Wellen an den Ufern spielte. Es war ein herrliches Schauspiel, wenn fern am Horizont ein Segel auf dem Meere hervortrat und Leben und Bewegung in diese erhabene Scene brachte.