Willy Brandt (1913 - 1992)
Geburtsname Herbert Ernst Karl Frahm
Willy Brandt – großer Staatsmann und Sohn der Hansestadt Lübeck
Willy Brandt als junger Mann
Herbert Frahm kommt am 18.12.1913 in Lübeck zur Welt. Seine Mutter Martha ist Verkäuferin und unverheiratet. Den Vater John Möller lernt Herbert nie kennen. Seine uneheliche Geburt war zu seiner Zeit ein Makel. Der Junge wächst bei seinem Großvater auf, einem Kraftfahrer, dem eine gute Entwicklung seines Enkels am Herzen liegt. Auch die Lehrer fördern den begabten Jungen aus der Arbeiterschaft. Durch ein Stipendium kann er das Gymnasium besuchen. Dort legt Herbert Frahm 1932 das Abitur ab, wenn seine politischen Aktivitäten seine Zulassung zur Prüfung zunächst auch in Frage gestellt hatten. Da das Geld für ein Studium nicht reicht, beginnt er eine Ausbildung bei einem Lübecker Schiffsmakler.
Die Familie Frahm wohnt im Arbeiterviertel St. Lorenz, ein Umfeld, das rein gar nichts mit dem Lübeck der aus großbürgerlichen Verhältnissen stammenden Schriftstellerbrüder Heinrich und Thomas Mann gemein hat. Für Thomas Mann war Lübeck hanseatisch und patrizisch geprägt, von Kaufleuten des Römischen Reiches, die weltoffen und seefahrend Handel treiben weit über die Ostsee hinaus. Dagegen ist die Lübecker Prägung Willy Brandts bestimmt von der sozialdemokratischen Subkultur, die sich überall im Reich entfaltet – als Alternative und Vorbereitung auf eine Zukunft ohne Stände und Klassen. Mutter und Großvater Willy Brandts sind aktive Sozialdemokraten, so dass er in die sozialdemokratische Bewegung hinein wächst. Früh zeigt er journalistisches Talent und schreibt Artikel für den „Lübecker Volksboten“. Schnell steht er an den Spitze der örtlichen Arbeiterjugend und kann mit seinem kämpferischen Charakter und seiner mitreißenden Rednergabe begeistern. Der Kopf der Lübecker Sozialdemokraten, Julius Leber, erkennt die Begabung des Jungen und fördert ihn. Als Herbert Frahm im Februar 1933 erfährt, dass sich der Verdacht gegen ihn zuspitzt, der Verfasser illegaler Flugschriften zu sein, erkennt er die Gefahr seiner Lage und entschließt sich, nach Norwegen zu emigrieren. Dort nimmt der inzwischen Neunzehnjährige seinen neuen Namen an und nennt sich von nun an Willy Brandt.
Willy Brandt: Erinnerungen

Willy Brandt
vor dem Holstentor
Fünfeinhalb Jahre waren vergangen, als ich im Oktober 1938 in Paris, wenige Tage nach dem Münchner Abkommen, Heinrich Mann vorgestellt wurde. Ich… ward nun erst von jener Wehmut erfasst, die das Abschiednehmen so schwer macht. „Die sieben Türme“, so sagte, mit Tränen in den Augen und Trauer in der Stimme, Heinrich Mann, 67 Jahre alt, zu dem jungen Lübecker Landsmann, der noch nicht einmal 25 Jahre alt war, „werden wir wohl nie mehr wieder sehen.“ In jenem Augenblick, der mir unvergesslich blieb, ist mir die Stadt mit den sieben Türmen neu ans Herz gewachsen. Das Gefühl, dass das Lübeck der Senatorensöhne Manns das meine nicht gewesen war, versank, ohne dass ich es hätte vergessen können.
„Mein eigentlicher Erfolg war, mit dazu beigetragen zu haben, dass in der Welt, in der wir leben, der Name unseres Landes, Deutschland also, und der Begriff des Friedens wieder in einem Atemzug genannt werden können.“ (Willy Brandt)
„Auf seinem schweren Weg wurde Willy Brandt ein Versöhner der Deutschen mit sich selbst. Er veränderte das Verhältnis der Deutschen zur Welt wie auch der Welt zu Deutschland“ (Richard von Weizäcker)
„Halten Sie Ihren Sohn von der Politik fern! Der Junge hat gute Anlagen. Die Politik wird ihn ruinieren.“ (Ratschlag des Klassenlehrers Walter Kramer an Willy Brandts Mutter Martha Frahm)
„Die Menschen spürten, dass da einer war, dem es um die Sache und nicht um persönliche Vorteile ging. Er gab das seltene Beispiel, dass Politik nicht den Charakter verderben muss.“ (Egon Bahr)
„Diese geschichtsträchtige Stadt ist reich an Besonderheiten. Dazu zählt offenbar auch, dass man sie anscheinend verlassen muss, um einen Namen zu erwerben, den die Welt kennt.“ (Lübecker Bürgermeister Kock anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Willy Brandt)