Heinrich Mann (1871 - 1950)

Schriftsteller
Heinrich Manns Jugend in Lübeck

Heinrich Mann

Heinrich Mann

„Schon als Kind in meiner Vaterstadt Lübeck fühlte ich mich einigermaßen fragwürdig und dem normalen Erwerbsleben, worin meine Vorfahren sich seit 100 Jahren ausgezeichnet hatten, stark entfremdet. Andererseits sah ich mich auch nicht als künftigen wohlbestallten Dichter.“

Heinrich Mann hat Lübeck im Alter von zwanzig Jahren verlassen und ist – im Gegensatz zu seinem jüngeren Bruder Thomas – niemals wieder zurückgekehrt.

Bereits in seinem ersten schriftstellerischen Versuch „Fantasien über meine Vaterstadt L.“ spricht er von dem „Millionengestank“, der in den Straßen der Kaufmannsstadt liege. Die behäbige Selbstgefälligkeit des Bürgertums ist ihm immer fremd geblieben. Dennoch hat auch Heinrich Mann die Privilegien seiner Herkunft genossen und legt besonders in jungen Jahren viel Wert auf eine gepflegte äußere Erscheinung.
Nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1891 löst Heinrich Mann jede Bindung an seine Vaterstadt und kehrt nur noch in der Literatur nach Lübeck zurück.

Heinrich Mann

Den Schulbesuch am Katharineum hat er in schlechter Erinnerung, und in seinem Roman „Professor Unrat“ rächt er sich literarisch an seinen Lehrern. Lange Zeit durfte der Roman wegen seiner offensichtlichen Anspielungen auf den Lübecker Schulalltag mit seinen fragwürdigen Unterrichtsmethoden nur heimlich unter der Schulbank gelesen werden.

Ein Katharineumsschüler erinnert sich: „Das sei alles ganz und gar verstiegen und übertrieben, redeten die biederen Hanseaten sich ein und einander vor, soweit sie das Buch nicht totschweigen konnten. Natürlich durften die Primaner des Lübecker Katharineums auf keinen Fall dieses gefährliche Buch lesen. Das schamhafterweise auch nie offen ausgesprochene Verbot hatte selbstverständlich zur Folge, daß ein zerlesenes Exemplar dieses Werkes ständig unter den aufgeweckteren Schülern der oberen Klasse zirkulierte.“

Der blaue Engel

Filmplakat zu
„Der blaue Engel“

1871
27. März: Heinrich Mann wird als erstes Kind des Speditionskaufmanns und späteren Senators Thomas Johann Heinrich Mann und dessen Frau Julia (geb. Silva Bruns) in Lübeck geboren.

1889
Er verlässt vorzeitig das Gymnasium und ist für kurze Zeit Buchhandlungsgehilfe in Dresden bei einem Buchhändler.

1890/91
Neben einem Volontariat beim S. Fischer Verlag in Berlin belegt Mann Kurse an der Berliner Universität.

1891
Beginn der Tätigkeit als freier Schriftsteller.

1893
Er siedelt mit seiner Mutter und den Geschwistern nach München über.

1894
Von der Mutter finanziert, erscheint sein erster Roman „In einer Familie“, der als Analyse des Innenlebens und der Moral angelegt ist.

1895/96
Herausgeber der konservativen Monatsschrift „Das Zwanzigste Jahrhundert - Blätter für deutsche Art und Wohlfahrt“.

1896-1898
Gemeinsam mit seinem Bruder Thomas Mann Aufenthalt in Italien.

1900
Mit dem Roman „Im Schlaraffenland - Ein Roman unter freien Leuten“ schafft Heinrich Mann das formale Gegenstück zu „In einer Familie“. Mit diesem Werk entwertet er auf satirische Weise die Konventionen der Gesellschaft und setzt seine „Kritik von rechts“ fort, die er „Im Zwanzigsten Jahrhundert“ an der Gesellschaft geübt hat.

1905
Der Roman „Professor Unrat oder das Ende eines Tyrannen“ wird publiziert.

1909/10
Der Roman „Die kleine Stadt“ entsteht.

1914
Heirat mit der Schauspielerin Maria Kanova (eigtl.: Kahn).

1915
Nach Beginn des Ersten Weltkriegs protestiert Mann mit dem Essay „Zola“ gegen die allgemeine Kriegsbegeisterung und die Haltung seines Bruders Thomas. Dieser weltanschauliche Konflikt trennt die Brüder für einige Jahre.

1916
Tochter Henriette Maria Leonie geboren.

1918
Nach dem Ende des Kriegs erscheint sein Roman „Der Untertan“ nach Vorabdrucken einzelner Kapitel 1911/12 in der Zeitschrift „Simplicissimus“ und einer abgebrochenen Veröffentlichung 1914 in „Zeit im Bild“ zum ersten Mal vollständig. Er fügt diesem Werk die Darstellung des Proletariats („Die Armen“, 1917) sowie der Bürokratie und Diplomatie („Der Kopf“, 1925) an. Er begreift diese drei Werke als Darstellung der deutschen Gesellschaft im Zeitalter Wilhelms II. und faßt sie unter dem Titel „Kaiserreich“ zusammen.

1922
Aussöhnung mit seinem Bruder.

1928
Trennung von seiner Frau und Übersiedlung nach Berlin.

1930
Scheidung von Maria Kanova.

1931
Josef von Sternberg verfilmt „Professor Unrat“ nach einem Drehbuch von Carl Zuckmayer unter dem Titel „Der Blaue Engel“ mit Marlene Dietrich und Emil Jannings in den Hauptrollen.
Wahl zum Präsidenten der Sektion Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste.

1932/33
Mann unterzeichnet gemeinsam mit Käthe Kollwitz und Albert Einstein Aufrufe zur Aktionseinheit der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) gegen die Nationalsozialisten.

1933
Februar: Mann wird von den Nationalsozialisten aus der Akademie der Künste ausgeschlossen. Emigration nach Frankreich. August: Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft.

1933-1940
Wohnsitz in Nizza. Mann wird Vorsitzender des Vorbereitenden Ausschusses der deutschen Volksfront sowie Ehrenpräsident der SPD und verfasst antifaschistische und antinationalsozialistische Flugschriften.

1935-1938
Mann verfasst den zweibändigen historischen Roman „König Henri Quatre“.

1936
Er wird tschechoslowakischer Staatsbürger.

1939
Heirat mit Nelly Kröger. Verschleppung seiner ersten Frau ins Konzentrationslager Theresienstadt.

1940
Mann flieht über Spanien und Portugal zusammen mit Lion Feuchtwanger, Golo Mann und Franz Werfel (1890-1945) in die USA, wo er als Drehbuchautor für die Filmgesellschaft Warner Brothers tätig ist.

1944
Selbstmord seiner Ehefrau Nelly Kröger nach nur 4jähriger Ehe.

1945
Veröffentlichung des Memoirenwerks „Ein Zeitalter wird besichtigt“.

1947
Ernennung zum Ehrendoktor der Humboldt-Universität Berlin.

1949
Verleihung des Nationalpreises I. Klasse für Kunst und Literatur der DDR.

1950
Berufung zum ersten Präsidenten der neuen Deutschen Akademie der Künste zu Berlin (gestorben vor Antritt des Amtes in der DDR).

1950
12. März: Heinrich Mann stirbt in Santa Monica (USA).

1951
DEFA-Verfilmung des Romans „Der Untertan“.

1961
Überführung seiner Urne nach Ost-Berlin.