Franziska Gräfin zu Rewentlow (1871-1918)

Schriftstellerin

Franziska Gräfin zu Rewentlow

Franziska Gräfin zu Rewentlow

„Ich will und muß einmal frei werden; es liegt nun einmal tief in meiner Natur, dieses maßlose Streben, Sehnen nach Freiheit. Die kleinste Fessel, die andere gar nicht als solche ansehen, drückt mich unerträglich, unaushaltbar und ich muß gegen alle Fesseln, alle Schranken ankämpfen, anrennen.“

Die Tochter eines preußischen Landrats und einer Reichsgräfin zu Rantzau wächst in Husum als das vierte von fünf Kindern auf, wo die Familie gut mit Theodor Storm befreundet ist. Bereits als Kind gerät Franziska zu Reventlow in einen folgenreichen Konflikt mit ihrem reservierten Vater und ihrer kühlen, von Standesdünkel geprägten Mutter, die sie nach dem Rollenverständnis des 19. Jahrhunderts zu einer sich selbst verleugnenden Ehefrau heranziehen möchte.

Die Eltern versuchen, die Erziehung ihrer rebellischen Tochter an das „Freiadlige Magdalenenstift“ in Thüringen zu delegieren, wo Franziska unter der unerbittlichen Strenge der Aufseherinnen, die die Kontrolle ihrer Briefwechsel einschließt, leidet. Hier kristallisiert sich ihr Wille nach Unabhängigkeit noch stärker heraus. Als sie des Stiftes verwiesen wird, kehrt sie nach Husum zurück, wo sie - nun sechzehnjährig - beginnt, Gedichte zu schreiben, ein Tagebuch zu führen und zu malen. In der Kunst findet sie ein Gegenbild zu herkömmlichen Glücksvorstellungen, auch oder gerade weil ihre Eltern diese Entwicklung zu verhindern suchen.

Als Ausweg erscheint die Ausbildung in einem Lehrerinnenseminar, das Franziska zu Reventlow nach der Umsiedlung der Familie nach Lübeck besucht. Dort lernt sie den Senatorensohn Emanuel Fehling kennen, ihren ersten Jugendfreund, mit dem sie sich heimlich in der Marienkirche trifft und mit dem sie Spaziergänge unternimmt. Über ihre neue Heimat Lübeck schreibt sie: „Oh, wie mir diese Aristokratensippe zuwider ist, die Hohlköpfigkeit und Beschränktheit“, aber hier lernt sie auch den „Ibsenclub“ kennen, eine Vereinigung oppositioneller, freiheitsliebender Jugendlicher, die sich über Literatur und Gesellschaft auseinandersetzen.

Als Franziska 1892 volljährig wird, verläßt sie Lübeck und läßt sich im Münchner Künstlerdorf Schwabing nieder, wo sie einer der Mittelpunkte der Schwabinger Boheme wird. Sie schreibt Romane, arbeitet als Übersetzerin und gibt den „Schwabinger Beobachter“ heraus. Um sie scharen sich Künstler und Halbkünstler, mit ihrem unehelichen Sohn und unstetem Lebenswandel wird sie zur Verkörperung einer „erotischen Rebellion“. Aus heutiger Sicht hat sie mit ihrer ungebundenen Lebensweise viele gesellschaftliche Entwicklungen vorweggenommen. Sie stirbt im Alter von 47 Jahren an den Folgen einer Operation, auch erschöpft von ihrem rastlosen Leben.