Familie Overbeck

Familie Overbeck

Familie Overbeck

Die ursprünglich in Lüneburg ansässigen Overbecks siedeln sich im 18. Jahrhundert in Lübeck an. Im 19. Jahrhundert gehören sie zu den führenden Lübecker Familien. In der Familie gibt es geachtete Juristen, einen Pfarrer und einen Rektor des angesehenen Katharineums, der Schule, die später auch Thomas Mann besuchen soll. Christian Adolf Overbeck (1755 - 1821) bekleidet in Folge zahlreiche bedeutende öffentliche und ehrenhafte Ämter: er ist Lübecker Senator, wird dann Domsyndikus und 1814 sogar Bürgermeister der Hansestadt. Bis heute bekannt ist er wegen seiner literarischen Neigungen, denen er neben seinen öffentlichen Aufgaben nachgeht. Er verfaßt die Texte zu den Liedern „Morgen, Kinder, wird´s was geben“ und „Komm lieber Mai“, zu dem Wolfgang Amadeus Mozart die Melodie geschrieben hat.

Komm lieber Mai,
Und mache die Bäume wieder grün,
Und laß mir an dem Bache
Die kleinen Veilchen blühn!

Wie möchte ich doch so gerne
Ein Veilchen wieder sehn,
Ach, lieber Mai, wie gerne
Einmal spazierengehn!

Bild von Friedrich Overbeck

Bild von
Friedrich Overbeck

Sein Sohn, Friedrich Overbeck (1789 - 1869), entwickelt bereits als kleiner Junge ein ausgeprägtes Talent zum Zeichnen und Malen. Der Vater möchte seinem Sohn das ermöglichen, was ihm selbst versagt geblieben ist: selbst-bestimmter Künstler zu werden. Mit siebzehn Jahren schickt er ihn auf die Wiener Kunstakademie. Dort schließt der junge Friedrich enge Freundschaft mit Franz Pforr, dem Sohn eines Frankfurter Malers, mit dem er kurz darauf nach Rom geht. Hier - auf der Suche nach wahrer Kunst, fern von „Schöngeisterei“, und dem wahren Glauben - tritt der protestantische Friedrich zum Katholizismus über. Ein Weggefährte Overbecks schreibt über seinen Freund: „Das fremde Land, die fremde Sitte und Sinnesweise bleibt ihm darum immer fremd, der Deutsche ist nie deutscher gewesen, als er es hier ist.“ In Rom nennt man Overbeck und seinen Freundeskreis, die „nazareni“, die „Nazarener“, da sie ihr Haar lang und gescheitelt wie Jesus von Nazareth tragen. Die Haartracht ist eine Anspielung auf Dürer, auf den sie in romantisch verklärter Weise zurückblicken.

Der Künstlerzirkel lebt in selbstgewählter Isolation in einem Kloster, und Overbeck spielt mit dem Gedanken, Mönch zu werden. Er entscheidet sich dann jedoch für ein frommes Familienleben. Das „Familienbild“ von 1820/22 verbindet die mittelalterliche Darstellungsform der Heiligen Familie mit einem Abbild der eigenen Familie. Overbeck sendet es seinen Lübecker Verwandten, damit sie seine Frau und sein Kind wenigstens auf dem Bild kennen. Nie kehrt er selbst nach Lübeck zurück, er stirbt achtzigjährig und von neueren Tendenzen in der Malerei überholt, in Rom.