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Mär02

Ich gelte als Schriftstellerin und Essayistin, die aus dem österreichischen Flachland kommt und in Berlin lebt (auch nicht gerade das gebirgigste Gebiet), in der Hansestadt Lübeck als Exotin … oder doch nicht? Mit Wasser und Schiffen habe ich es nicht so – und doch verschlug es mich in diese so stolze, beeindruckende alte Hansestadt…

„„Hotels sind mehr als ein Dach über dem Kopf…“ „

– Andrea Riemer

Folgen Sie mir auf meinem Weg und lassen Sie sich ein wenig verzaubern und von den Begegnungen überraschen …

Stellen Sie sich gemeinsam mit mir vor, Sie gehen vom Bahnhof (ich bin eine passionierte Zugreisende), vorbei am Holsten Tor, dem Wahrzeichen dieser wunderbaren, alten Hansestadt mit den roten Backsteinbauten und biegen scharf links ein und schlendern entlang der Trave bis zur Fischgrube. Dann wieder scharf rechts und Sie landen bei einem der entzückendsten Hotels der Stadt, dem Klassik Altstadthotel. Es wurde mir empfohlen und ich nehme Empfehlungen auf meinen zahlreichen Reisen immer gerne an, probiere aus und lasse meine Bleibe auf mich wirken. Unterschätzen Sie Hotels nicht. Sie sind für uns KünstlerInnen mehr als ein Dach über dem Kopf. Und – der Spirit eines Hotels wirkt immer auf meine Veranstaltungen, ganz gleich, ob sie im Hotel oder an einem anderen Ort stattfinden.

Stellen Sie sich gemeinsam mit mir vor, Sie waren noch nie in einem Hotel, werden reizend empfangen (gilt schon als Selbstverständlichkeit, die Sie nie selbstverständlich nehmen sollten, denn Hotelpersonal sind natürlich auch Menschen), also Sie werden reizend empfangen in einem Hotel mit vielen Besonderheiten, wie beispielsweise – jedes Zimmer hat einen Namenspatron bzw. eine Namenspatronesse. Im Regelfall sind es Künstlerinnen und Künstler, die mit der Stadt Lübeck in irgendeiner Weise verbunden sind … es wimmelt dabei nur so vor Nobelpreisträgern. Also – es geht auf ins Zimmer, Gepäck abstellen, sich orientieren, ein wenig zur Ruhe kommen – denn abends findet meine Lesung statt. Also – ruhen und arbeiten an einem Ort.

Stellen Sie sich gemeinsam mit mir vor, Sie werden in jenem Zimmer untergebracht, das dem großen Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Thomas Mann gewidmet ist. Dann liegen Sie kurz nach Ihrer Ankunft auf einem herrlichen bequemen Bett unter einem Portrait von Thomas Mann, atmen tief durch – und stellen fest, der Mann hat einen Tag vor mir Geburtstag … na auf diesen einen Tag kam es mir an … ich hätte mich auch ein wenig beeilen können mit dem Weg in diese Welt … gleichwohl – Sie sind von diesem besonderen Geist eingenommen und ehrlicherweise – ich war ein bisschen ehrfürchtig, als ich das Bild dann länger betrachtete.

Bleiben wir weiter mit mir im Zauberbild, nein, nicht am Zauberberg, folgen Sie mir. Das Zimmer kommt einer kleinen Suite gleich. Wer sich da nicht wohlfühlt, in den bequemen Fauteuils, den so stimmigen Möbeln, den schweren Gardinen und einem Bad, das zum Entspannen einlädt, der hat nicht richtig in sich hineingefühlt.

Ich durfte auch andere Räume sehen, z.B. die Günther-Grass-Suite, sehr speziell, sehr besonders – der Spirit eines weiteren Nobelpreisträgers für Literatur lässt sich nicht verleugnen. Mein erster Gedanke – Hier will ich unbedingt eine Lesung machen – auf zwei Geschoßen. Das wäre etwas. Das Haus ist dem großen Literaten, der ja viele Jahre in Lübeck lebte, zutiefst verbunden. Also meine Idee, wie weiter? … Im Geiste Günther Grass‘ …

Diese Idee trug ich Hilke Flebbe, der zauberhaften Patronesse des Hauses, das sie seit vielen Jahren mit Gespür und Diplomatie als Familienunternehmen führt, heran. Und – ich darf schreiben – wir denken ganz ernsthaft nach über diese Möglichkeit. Ach – was da noch alles möglich ist, wenn zwei Energiebündel zusammenkommen?!

Wenn ich nach einem längeren Spaziergang, den ich vor Lesungen und Lesungskonzerten immer gerne zur Beruhigung mache, wieder ins Hotel zurückkomme und mich zu Hause fühle, dann kann am Abend fix nichts mehr schief gehen. Es ist also der Spirit des Hotels, hier des Klassik Altstadthotels in Lübeck, der mit ausschlaggebend ist, ob meine Veranstaltungen gelingen.

Die Lesung am Abend war ausgezeichnet organisiert und ebenso gut besucht. Man hatte dafür nicht den Frühstücksraum, sondern einer tiefer gelegenen Raum, der sich ausgezeichnet dafür eignet, entsprechend arrangiert.

Selten habe ich mich so wohl und umsorgt gefühlt wie bei dieser Veranstaltung, die mehr einem Wohnzimmerbesuch bei Freunden glich denn einer offiziellen Lesung. Man sagt uns KünstlerInnen nach, speziell zu sein, was ein freundlicher Ausdruck für kompliziert ist. Nun denn – Wünsche werden hier umgehend erfüllt. Unmögliches dauert wie Wunder ein bisschen. Jedoch – alles, was ich wollte, war im Handumdrehen getan.

Nicht nur Dank Thomas Mann und Günther Grass, die ich beide als Schriftsteller bewundere und schätze, sondern Dank des einmaligen Spirit im Klassik Altstadthotel Lübeck und der tollen Organisation durch das Hotelteam und die Patronesse Hilke Flebbe war die Lesung richtig gelungen.

Am nächsten Tag beim ausgezeichneten und üppigen Frühstück begegnete ich Ulrich Noethen. Das ist in diesem Hotel nichts Ungewöhnliches. Künstlerinnen und Künstler fühlen sich hier aufgehoben, dürfen sich selbst sein. Da sitzen SchauspielerInnen des Theaters Lübeck ebenso am Frühstückstisch wie MusikerInnen der Musikhochschule Lübeck, die ja auch nicht gerade zu jenen Einrichtungen gehört, die wenig bekannte AbsolventInnen vorzuweisen hat. Manche bezeichnen sie als das Mozarteum des Nordens. Ja – und man geht ungezwungen auf einander zu, spürt sofort, ob Konversation gewünscht ist oder eher die morgendliche Stille genossen werden will, die von leiser Musik gehalten wird.

Sie merken, ich schweife ein wenig ab, da ich neben dem Schreiben auch die Musik zu meiner Passion zähle. Nun denn – ich rufe mich hanseatisch diszipliniert auf, schriftstellerisch auf den Punkt kommen. „Beehren Sie uns bald wieder,“ – beim Abschied.

Und – natürlich war ich danach mehrfach in Lübeck, immer in diesem zauberhaften Hotel – weil ich auf meinen vielen Reisen nicht nur Komfort sondern auch Herz und Diskretion im Umgang miteinander schätze. Und das finden Sie hier … Lübeck ist allemal eine Reise wert … Das Klassik Altstadthotel … ein Herzensplatz für KünstlerInnen und alle, die sich als solche sehen, ein Platz zum Verweilen.

Andrea Riemer ist freie Schriftstellerin und Essayist. Mehr unter www.andrea-riemer.de

Freigegeben am 14.2.2017 von Andrea Riemer für Hilke Flebbe/Hotelblog.